HEREDITAS Blog

Zuletzt aktualisiert am 25. Juli 2021

Erbteilung: Die 4 Optionen zum sicheren Verlassen der Erbengemeinschaft


dr stephan seitz hereditas erbengemeinschaft
Hier schreibt Dr. jur. Stephan Seitz

Mein Name ist Stephan Seitz, ich bin Jurist und war vor wenigen Jahren selbst Teil einer Erbengemeinschaft. Dabei wurde mir klar: Miterben wollen keinen Streit, sondern eine Lösung. Alles was Sie dafür wissen müssen, schreibe ich hier auf. Mehr zu meiner Person.
 
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Ziel der Erbengemeinschaft: die Erbteilung

Als Mitglied einer Erbengemeinschaft können Sie nicht frei schalten und walten, wie Sie wollen. Sie sind als Miterbe auf das Einvernehmen der anderen Miterben angewiesen, genau so, wie die anderen Miterben auf auch Ihr Einvernehmen angewiesen sind. Die Verwaltung des Nachlasses steht den Miterben nämlich nur gemeinschaftlich zu. Auch wenn Maßnahmen der ordnungsgemäßen Verwaltung mit Stimmenmehrheit getroffen werden können, sind Sie in der Erbengemeinschaft schnell blockiert, wenn ein Miterbe andere Vorstellung von einer ordnungsgemäßen Verwaltung hat. Erst recht sind Sie blockiert, wenn Ihre Miterben die einvernehmliche Auseinandersetzung blockieren. Oft bestimmen rein emotionale Gründe das Denkmuster und verhindern, dass die Gegebenheiten rational, wirtschaftlich und zielführend beurteilt werden. Es gibt also gute Gründe, die Erbengemeinschaft möglichst schnell aufzulösen. Dies sieht auch der Gesetzgeber so. Es ist das explizite Ziel der Erbengemeinschaft, diese auseinander zu setzen, d.h. die Erbteilung anzustreben.

Beispiel: Sie erben mit Ihren beiden Geschwistern ein Mietshaus. Da keiner von Ihnen Erfahrungen mit der Mietverwaltung hat, möchten Sie die Immobilie sofort verkaufen. Ihr Bruder möchte die Immobilie hingegen behalten und betrachtet die Mieteinnahmen als Altersversorgung. Ihre Schwester wiederum möchte an den Wohnungen Wohnungseigentum begründen und jedem Geschwisterteil eine Wohnung als Wohnungseigentum zuweisen. Wie also wollen Sie in dieser Meinungsvielfalt eine Gemeinsamkeit finden?

Erbteilung

Erbteilung Option 1: Die Auseinandersetzungsvereinbarung

Im eher seltenen Idealfall teilen Sie in gegenseitiger Absprache den Nachlass unter sich auf. Jeder bekommt, was er wünscht. Jeder gönnt jedem alles und keiner hat das Gefühl, er komme zu kurz. Erhebt ein Miterbe Anspruch auf einen bestimmten Nachlassgegenstand, kann die Vereinbarung einer Ausgleichszahlung die Erbteilung beschleunigen. Geht es um unteilbare Nachlassgegenstände, insbesondere um eine Immobilie, wäre der einfachste Weg an sich, den Nachlasswert an Dritte zu verkaufen und den Kaufpreis untereinander aufzuteilen.

Sollte ich mich auf eine Auseinandersetzungsklage einlassen? Können sich die Miterben über die Auseinandersetzung und Teilung des Nachlasses nicht verständigen, bleibt oft nur der Rechtsweg. Jeder Miterbe kann im Wege einer Auseinandersetzungsklage die Teilung des Nachlasses gerichtlich klären lassen. Der mit der Klage vorzulegende Auseinandersetzungsplan birgt oft unkalkulierbare Fallstricke. Empfehlenswert ist dieser Weg eher nicht. Hohe Nachlasswerte provozieren hohe Streitwerte und damit hohe Gebühren für Gericht und die notwendigerweise beteiligten Anwälte. Im Ergebnis lässt sich oft nicht viel mehr erreichen, als was die Miterben mit ein bisschen gutem Willen auch im gegenseitigen Einvernehmen hätten erreichen können.


 

Erbteilung Option 2: Die Teilungsversteigerung

Gehört zum Nachlass eine Immobilie, sollte die Immobilie bestenfalls freihändig verkauft werden. Der freie Verkauf führt am schnellsten zur bestmöglichen Liquidität. Lassen Sie sich auf eine Teilungsversteigerung ein, müssen Sie einkalkulieren, dass der Erlös erfahrungsgemäß weit unter dem eigentlichen Verkehrswert des Objekts liegt. Sie benötigen ein teures Sachverständigengutachten zur Feststellung des Verkehrswertes. Miterben können durch eigene Anträge das Verfahren erheblich verzögern. Teilungsversteigerungen sollten wahrhaft die Ultima Ratio sein.


 

Erbteilung Option 3: Der Erbteilsverkauf

All der Ärger um die Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft lässt sich vermeiden, wenn Sie als Miterbe Ihren Erbanteil verkaufen. Dieses Recht können Sie jederzeit wahrnehmen, ohne dass die anderen Miterben zustimmen müssen. Die Miterben haben lediglich ein Vorkaufsrecht und können Ihren Erbanteil zu den Konditionen ankaufen, die Sie mit dem Käufer vereinbart haben. Verkaufen Sie Ihren Erbanteil, schließen Sie einen Erbschaftskaufvertrag (§ 2371 BGB). Der Vertrag über den Erbschaftskauf bedarf der notariellen Beurkundung.

Allerdings können Sie nicht Ihren Erbanteil an einzelnen Vermögenswerten aus dem Nachlass verkaufen. Verkaufen können Sie nur Ihren Erbanteil insgesamt. Gehört zum Nachlass ein Kfz-Oldtimer, können Sie nicht einfach nur Ihren Anteil daran verkaufen, sondern eben nur Ihren Anteil am gesamten Nachlass.

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Welche Vorteile hat der Verkauf des Erbanteils?

  • Sie schaffen schnell Liquidität: Der Vorteil ist, dass Sie über schnelle Liquidität verfügen, aus der Erbengemeinschaft ausscheiden und der Erwerber Ihre Position in der Erbengemeinschaft fortführt. Es versteht sich, dass zuvor der Wert des Erbteils zu bestimmen ist. Dazu wären alle Aktiva und Passiva des Nachlasses zu ermitteln. Da Sie als einzelner Miterbe gegenüber den anderen Miterben kein generelles Auskunftsrecht haben, vielmehr Ihre Auskunftsansprüche im Einzelfall durchsetzen müssen, sollten Sie sich frühzeitig anwaltlich beraten lassen.
  • Sie vermeiden das Risiko fehlender Kompetenzen: Ein Erbteil ist wirtschaftlich vor allem dann interessant, wenn Grundstücke oder Immobilien enthalten sind. Auch ältere Gebäude können durchaus attraktive Objekte darstellen, vorausgesetzt, der Erwerber weiß, was er damit anfangen kann. Ein professioneller Käufer von Erbteilen hat aufgrund seiner Erfahrungen und Kompetenz wesentlich bessere Möglichkeiten, die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft zu betreiben. Kennen Sie sich hingegen mit Immobilien nicht aus, sind Sie schnell überfordert und riskieren, dass Gebäude leer stehen, vielleicht sogar zusehends verfallen, brauchen sich nicht mit unliebsamen Mietern herumzuärgern und keine Gedanken zu machen, dass der nächste Sturm das Dach davonträgt.
  • Sie bewahren den Familienfrieden: Vor allem wird auch der emotionale Aspekt herausgelöst, der das Verhältnis von Miterben untereinander oft unnötig verkompliziert. Mit dem Verkauf Ihres Erbanteils an eine dritte Person gehen Sie keinerlei Risiken ein. Sie entledigen sich der meist sehr persönlich geführten Auseinandersetzung. Vielleicht vermindern Sie damit auch das Risiko, dass Sie Ihre familiäre Beziehung zusätzlich belasten.

Erbteilung Option 4: Die Erbabwicklung

Eine relativ neue Option zur Erbauseinandersetzung ist die Erbabwicklung. Hierbei beauftragen Sie einen Dritten mit der kompletten Durchführung der Auseinandersetzung: von der Verhandlung mit den Miterben, über die Lösungsfindung bis hin zur finalen Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft – notfalls auch unter Einschaltung von Gerichten. Es gibt Anbieter, die diese Leistung auch erfolgsabhängig erbringen. In der Regel fallen für Sie nur dann Kosten an, wenn die Erbabwicklung erfolgreich war, die Erbengemeinschaft also aufgelöst ist. Statt 100% des Erlöses erhalten Sie dann meist nur zwischen 75% bis 85%. Der übrige Teil wird vom Erbabwickler vereinnahmt – zur Deckung der angefallenen Kosten und zur Gewinnerzielung.

Der Anbieter ErbTeilung GmbH* beispielsweise bietet diese Leistung an, hier kommen laut Anbieter nur im Erfolgsfalle Kosten auf Sie zu. ErbTeilung übernimmt die Kosten für Anwälte, Gerichte und Gutachten – und ist dafür im Gegenzug am Erlös beteiligt.

Warum kann der Weg über die Erbabwicklung sinnvoll sein? Sie beauftragen einen Profi, der zunächst die Kosten trägt und nur im Erfolgsfalle daran verdient. Er wird aussichtslose Fälle nicht annehmen und im Übrigen auf eine zügige, reibungslose und kosteneffiziente Abwicklung hinwirken. Sein großer Erfahrungsschatz in der Auflösung von Erbengemeinschaften kann hierbei für Sie – aber unter Umständen auch für die übrigen Miterben, die meist ebenfalls eine Lösung suchen – sehr hilfreich sein.

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