Die Erbengemeinschaft: Fakten für Miterben

Hinterlässt ein Erblasser nicht nur einen, sondern mehrere Erben, so bilden diese qua Gesetz – d.h. auch gegen ihren Willen – eine Rechtsgemeinschaft, die sog. Erbengemeinschaft. Die Erben werden als Miterben bezeichnet, die Gemeinschaft häufig auch als Miterbengemeinschaft. Der Nachlass wird als gemeinschaftliches Vermögen von allen Miterben verwaltet, d.h. kein Miterbe kann alleine agieren und jeder Miterbe ist verpflichtet an der Verwaltung des Nachlasses mitzuwirken. Die Erbengemeinschaft endet mit der vollständigen Aufteilung des Nachlasses, der sog. Auseinandersetzung. Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten um aus der Erbengemeinschaft auszuscheiden, z.B. der Verkauf des Erbteils.

Erben mehrere Personen gemeinsam, so bilden sie eine Erbengemeinschaft. Häufig tritt dies ein, wenn die Erbfolge nicht geregelt wurde. Die Miterben verwalten den Nachlass gemeinsam und müssen sich über die Art und Weise der Auflösung des Nachlasses einigen.

Nachstehende Infographik gibt Ihnen einen Überblick über die einzelnen Phasen der Erbengemeinschaft, zusammen mit den jeweils zentralen Fragestellungen und Problembereichen.

 

Erbengemeinschaft
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Entstehung der Erbengemeinschaft

Wie entsteht eine Erbengemeinschaft?

Eine Erbengemeinschaft entsteht sehr einfach: sind mehrere Personen Erbe eines Erblassers, so sind sie Miterben und bilden damit automatisch und qua Gesetz eine Erbengemeinschaft. Von einem „Willenselement“ hängt dies nicht ab, d.h. der Zwangserbe kann sich hiergegen zunächst auch nicht wehren. Natürlich muss sich niemand zwangsbeglücken lassen, insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Erbschaft überschuldet sein kann. Das Gesetz sieht in der Folgezeit die Möglichkeit vor, die Erbschaft auszuschlagen.

Die Berufung zum Erben kann entweder aufgrund gesetzlicher Erbfolge oder durch gewillkürte Erbfolge, in der Regel Testament, erfolgen. Die Ermittlung der Erbfolge übernimmt das Nachlassgericht, angesiedelt beim Amtsgericht. Dieses forscht von Amts wegen auch im Testamentsregister nach, ob der Erblasser ein Testament hinterlegt hat.

Abzugrenzen ist die Berufung zum Erben von der Einsetzung als Vermächtnisnehmer. Im Unterschied zum Erben wird dieser nicht Rechtsnachfolger des Erblassers und tritt damit auch nicht in dessen Rechte und Pflichten ein. Dem Vermächtnisnehmer hingegen steht ein im Testament bestimmter Anspruch gegen den Nachlass zu, beispielsweise hat der Erblasser verfügt, dass sein Enkel eine im Nachlass enthaltene Wohnung bekommen soll.

Der Rechtsexperte Karl-Dieter Möller spricht über Rechte und Pflichten der Erbengemeinschaft, Stellung zu Miterben und Möglichkeiten den Erbteil zu verkaufen. Sehr interessant und eine absolute Empfehlung (Dauer: 7 Min 27; Quelle: ARD Mediathek).

Wie vermeidet der Erblasser Streit unter den Miterben?

Die beste Möglichkeit um Streit zu vermeiden, ist eine klare Regelung durch den Erblasser, was nach seinem Tod geschehen soll. In der Regel erfolgt dies durch ein Testament. Hier regelt der Erblasser einseitig wer welche Rechte und Vermögenspositionen übernimmt und was er ggf. dafür zu tun hat. Hierfür stehen die Möglichkeiten der Erbeinsetzung, das Vermächtnis und die Auflage zur Verfügung. Weiter kann der Erblasser z.B. durch einen Testamentsvollstrecker sicherstellen, dass seine letztwilligen Verfügungen auch eingehalten werden.

Beispiel: Der Erblasser ist Eigentümer zweier Wohnungen, eines Autos und er hat 150.000 € am Bankkonto. Er will seine beiden Kinder und das eine Enkelkind begünstigen. Er könnte nun seine beiden Kinder zu Erben einsetzen, wodurch diese eine Erbengemeinschaft bilden. Um nun allerdings Streit zu vermeiden kann er darüber hinaus festlegen, dass Kind1 die eine Wohnung bekommt, Kind2 die andere Wohnung. Da die Wohnung, die Kind2 erhält, allerdings kleiner ist, bestimmt der Erblasser auch noch, dass Kind2 die 150.000 € Bankermögen erhält. Sein Auto lässt er dem Enkelkind zukommen, allerdings im Wege eines Vermächtnisses ohne das Enkelkind als Erbe einzusetzen. In Folge dessen müssen die beiden Kinder das Auto an das Enkelkind übertragen.

Insbesondere die klare Bestimmung, dass die kleinere Wohnung durch Zahlung der 150.000 € ausgeglichen wird, kann viel Streit vermeiden. Auch die Teilungsanordnung betreffend den Wohnungen kann eine mögliche Teilungsversteigerung verhindern. Denn könnten die beiden Kinder sich nun nicht einigen wer welche Wohnung bekommt, steht am Ende nur die Möglichkeit der Teilungsversteigerung, d.h. beide Wohnungen werden zwangsweise verkauft und der Erlös wird zwischen den beiden Erben verteilt.

Eine andere Möglichkeit der erbrechtlichen Verfügung ist der Erbvertrag. Hier schließt der Erblasser eine vertragliche Vereinbarung, wie sein Nachlass geregelt wird.

Fazit: Streit in der Erbengemeinschaft zu vermeiden, sollte ein bedeutendes Anliegen des Erblassers sein. Wichtigstes Instrument dafür ist die Vornahme einer erbrechtlichen Verfügung durch Testament oder Erbvertrag. Immer dann, wenn die gesetzliche Erbfolge eintritt, ist Streit vorprogrammiert.

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Wie werden unbekannte Miterben ermittelt?

Solange die Miterben einer Erbengemeinschaft nicht bekannt sind, kann diese auch nicht auseinandersetzt werden. Gerade bei Eintritt der gesetzlichen Erbfolge können entfernte Verwandte Miterbe werden, die man garnicht kennt und auch garnicht am Schirm hat. Manche davon sind unter Umständen schon verstorben, manche wohnen im Ausland. Alles das muss ermittelt werden.

Hierum können sich einzelne Miterben oder die Erbengemeinschaft zusammen kümmern. Entweder gehen sie selbst auf die Suche oder sie beauftragen einen Erbenermittler, der in der Regel erfolgsabhängig recherchiert.

Auf der anderen Seite kann der Impuls auch vom Erbenermittler ausgehen. Erfährt dieser von „schwierigen“ Erbengemeinschaften, so bietet er den Miterben an, erfolgsabhängig für meist 20-30% des Nachlasswertes auf die Suche nach den weiteren Erben zu gehen. Hierbei sollten die Erben im ersten Schritt Vorsicht walten zu lassen, denn nur die Erben, die mit dem Erbenermittler einen Vertrag abschließen müssen auch bezahlen. Profitieren tun in der Regel aber alle Miterben, was dann schnell zu Streit führt.

Daher mein Praxistipp: haben Sie Kontakt zu einem Erbenermittler, so besprechen Sie dies mit den übrigen Miterben und erreichen Sie – sofern die Erbenermittlung sinnvoll ist – eine gemeinschaftliche Beauftragung. So lassen sich auch die Konditionen besser verhandeln. Von einer überschnellen Beauftragung mit Hinweis darauf, dass Sie nur im Erfolgsfalle zahlen müssen, sollten Sie Abstand nehmen.
Rechte in Pflichten der Erbengemeinschaft

Erbengemeinschaft: Welche Rechte und Pflichten habe ich?

Als Erbe in einer Erbengemeinschaft habe ich vielfältige Rechte und Pflichten. Zu den Rechten gehört die Möglichkeit zur Ausschlagung, Auskunftsansprüche gegenüber den Miterben und Ausgleichsrechte für z.B. Pflegeleistungen am Erblasser. Ein Recht auf Nutzung der Nachlassgegenstände allerdings steht dem Miterben ohne Zustimmung der übrigen Mitglieder der Erbengemeinschaft nicht zu.

Auf Seite der Pflichten ist zu allervorderst die Mitwirkung bei der Verwaltung des Nachlasses anzuführen. Die Miterben treten unmittelbar in die rechtliche Stellung des Erblassers ein und müssen damit seine Verträge und Rechtspositionen fortführen. Auch kann der einzelne Miterbe zur Erteilung von Auskünften gegenüber der Erbengemeinschaft verpflichtet sein, insbesondere wenn er besonderes Wissen hat, das die übrigen Miterben weder haben noch erlangen können. Zuletzt sei noch auf die Pflichten zur Haftung für Nachlassverbindlichkeiten und Zahlung der Erbschaftssteuer hingewiesen.

Was bedeutet Gesamthandsgemeinschaft?

Das BGB bestimmt unter dem Titel „Mehrheit von Erben“ in den §§ 2032ff BGB die gesetzlichen Regelungen für Erbengemeinschaften. Insbesondere stellt der Gesetzgeber klar, dass es sich hier um eine sog. Gesamthandsgemeinschaft handelt, d.h. der einzelne Miterbe kann ohne die übrigen Miterben nicht über Gegenstände der Erbschaft verfügen. Auch regelt der Gesetzgeber, wie die Erbengemeinschaft während ihres Bestehens verwaltet wird und was hinsichtlich der Haftung für Erblasserverbindlichkeiten gilt.

Der Jurist spricht im Zusammenhang mit der Erbengemeinschaft von einer sog. Gesamthandsgemeinschaft. Im Wesentlichen heißt das: alles gehört allen gemeinsam, nichts gehört einem alleine. Der einzelne Miterbe hat damit keinen Zugriff auf einzelne Vermögensgegenstände innerhalb der Erbengemeinschaft. Diesen hat man nur mit den Miterben zusammen. Konkret: als Miterbe kann man nicht nach Belieben einen Nachlassgegenstand verkaufen. Dies kann allein im Wege der „Verwaltung des Nachlasses“ erfolgen und damit nur mit den übrigen Miterben gemeinsam.

Allerdings! Der Miterbe kann zwar nicht über einzelne Gegenstände innerhalb der Erbschaft verfügen. Er kann aber sehr wohl über seinen Anteil an der Erbengemeinschaft – den Erbteil oder auch die „Beteiligung an der Erbengemeinschaft“ – verfügen und diesen frei verkaufen. Und das ohne Zustimmung der übrigen Miterben.

Wie haften Miterben in der Erbengemeinschaft?

Als Erbe tritt man direkt in die Rechtsposition des Erblassers ein, d.h. zunächst einmal dass man für alle Schulden gerade stehen muss. Allerdings schützt das Gesetz den Erben solange, wie der Nachlass ungeteilt ist. Die Erbschaft stellt zunächst ein Sondervermögen dar, die Haftung ist erstmal nur auf dieses Sondervermögen beschränkt.

Das Gesetz sieht nachfolgende Schutzmaßnahmen für den Erben vor:

  • Unmittelbar nach dem Anfall der Erbschaft hat der Erbe sechs Wochen Zeit sich zu überlegen, ob er die Erbschaft annimmt oder ausschlägt. Während dieser sechs Wochen kann er nicht in Anspruch genommen werden. Er gilt als vorläufiger Erbe.
  • Im Anschluss an die Annahme der Erbschaft, kann der Erbe die sog. „Dreimonatseinrede“ erheben. Er kann damit die Erfüllung von Nachlassverbindlichkeiten verweigern, § 2014 BGB. Diese Frist dient den Erben dazu, sich einen Überblick über den Nachlass zu verschaffen und insbesondere zu prüfen, ob die private Haftung weiter eingeschränkt werden muss.
  • Neben der Dreimonatseinrede können die Erben die „Einrede des ungeteilten Nachlasses“ erheben, § 2059 Abs. 1 BGB. Diese Einrede erlaubt es jedem Erben, solange der Nachlass tatsächlich ungeteilt ist, seine Haftung lediglich auf seinen Nachlassanteil zu beschränken. Schlimmstenfalls ist der Erbe damit also bei „Null“, in jedem Fall bleibt sein übriges Privatvermögen geschützt. Wichtig aber, diese Einrede gilt nur für den ungeteilten Nachlass. Haben die Erben den Nachlasses bereits verteilt, so kann diese Einrede nicht mehr erhoben werden.
  • Reichen den Erben die drei Monate nicht aus, um sich über die finanzielle Lage der Erbschaft ein umfassendes Bild zu machen, so kann das Aufgebotsverfahren beim Nachlassgericht beantragt werden. Wird der Antrag gestellt, fordert das Gericht öffentlich zur Anmeldung von Forderungen auf, die Dritte gegen den Nachlass haben. Mit Fristablauf ist die Haftung der Erben dauerhaft auf den Nachlass beschränkt. Meldet sich später noch ein Gläubiger, so bekommt er seine Forderungen nur befriedigt, wenn noch Nachlassvermögen vorhanden ist.
  • Ist der Nachlass überschuldet, oder ist er so unübersichtlich, dass dies unklar ist, so kann jeder Miterbe beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Nachlassinsolvenz und Nachlassverwaltung stellen. In diesem Falle ist sichergestellt, dass kein Gläubiger auf sein Privatvermögen zugreifen kann. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass mit diesem Antrag die Verwaltung des Nachlasses an den Nachlassverwalter übergeht, mithin die Erben also den direkten Zugriff darauf verlieren.

Erbschaftssteuer und Erbengemeinschaft: wer muss was versteuern?

Erbengemeinschaft

Erbschaftssteuer Erbengemeinschaft

Zunächst einmal gibt es keine Besonderheit in Bezug auf die Erbschaftssteuer in der Erbengemeinschaft gegenüber der Erbschaftssteuer als Alleinerbe. Nach dem ErbStG kommt es nur darauf an, dass man Vermögen „von Todes wegen“ erworben hat. Ob dies nun durch Testament, gesetzliche Erbfolge, als Miterbe oder als Vermächtnisempfänger geschieht, ist unerheblich. Es muss schlicht der Vermögenszuwachs versteuert werden.

Wer Vermögen von Todes wegen erwirbt, muss dieses versteuern. Ob Erbe, Vermächtnis usw. spielt keine gesonderte Rolle. Solange er allerdings unterhalb des gesetzlichen Freibetrages bleibt, fällt keine Steuer an.

Allerdings gewährt der Gesetzgeber umfassende Freibeträge, die sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis zum Erblassers bestimmen. So kann beispielsweise der Ehegatte bzw. eingetragene Lebenspartner 500.000 € steuerfrei erhalten, jedes Kind muss beim Vermögenserwerb bis zu 400.000 € keine Steuern zahlen. Nur der darüber hinausgehende Anteil muss versteuert werden.
Besonderheiten bestehen allerdings beim Betriebsvermögen. Neben Fragestellungen rund um die Bewertung des Betriebes, ist auch immer der Aspekt Fortführung der Unternehmung bedeutend. Der Erbe eines Betriebes, der am Papier mehrere Millionen Euro wert ist, kann dies in der Regel nicht versteuern ohne umfassend finanzielle Mittel aus dem Betrieb abzuziehen. Dies wiederum kann den Betrieb – und damit auch Arbeitsplätze – erheblich belasten.

Verwaltung des Nachlasses unter Miterben

Wie wird der Nachlass in der Erbengemeinschaft verwaltet?

Nach Anfall der Erbschaft geht es darum, die Zeit bis zur Auseinandersetzung zu überbrücken. Denn erst wenn klar ist, was in der Erbschaft steckt und alle Nachlassverbindlichkeiten bezahlt sind, kann die Aufteilung des Nachlasses stattfinden. Für diese Zwischenzeit muss verhindert werden, dass Werte abfließen oder Nachlassgegenstände durch mangelnde Verwaltung an Wert verliert. Das gilt sowohl im Interesse der Miterben wie auch von Gläubigern, die noch Geld aus dem Nachlass zu bekommen haben. Typische Beispiele wären ein Wohnhaus des Erblassers, das in Schuss gehalten werden muss, oder eine Mietwohnung, die sinnvollerweise nicht mehrere Jahre ungenutzt leer stehen sollte.

Der Gesetzgeber hat Regelungen geschaffen, die im Grundsatz für die regelmäßige Verwaltung das Mehrheitsprinzip gelten lassen. Das heißt insbesondere dass nicht ein einzelner Miterbe ständig quer gehen kann und die Verwaltung unnötig verkompliziert. Maßnahmen der regelmäßigen Verwaltung liegen immer dann vor, wenn durch sie die Beschaffenheit des Nachlasses insgesamt nicht erheblich verändert wird und die Maßnahme dem mutmaßlichen Interesse aller Miterben entspricht. Das sind in der Praxis alle verwaltenden Maßnahmen, die nicht unnatürlich für eine Erbengemeinschaft in der konkreten Situation sind.

Für Maßnahmen der Notverwaltung kann ein Miterbe sogar alleine handeln, beispielsweise wenn das Dach undicht ist und dringend repariert werden muss.

Auch hat jeder Miterbe eine Mitwirkungspflicht bei der ordnungsgemäßen Verwaltung. Nimmt ein einzelner Miterbe berechtigte Verwaltungsmaßnahmen vor, so werden ihm die hierdurch entstehenden Aufwendungen auch ersetzt.

Kann die Erbengemeinschaft ohne Zustimmung aller Miterben Nachlassgegenstände verkaufen?

Juristisch korrekt müsste die Frage eigentlich heißen, ob die Erbengemeinschaft dem Käufer auch das Eigentum übertragen kann, also Verfügungsgeschäfte wirksam vornehmen kann. Diese Frage war lange umstritten, mittlerweile wird man davon ausgehen können, dass die Übertragung von einzelnen Nachlassgegenständen möglich ist, wenn sie eine Maßnahme der ordnungsgemäßen Verwaltung darstellt, also den Nachlass nicht erheblich verändert. Der Verkauf eines älteren Autos wird daher meist kein Problem sein. Eine Wohnung hingegen kann nur verkauft werden, wenn der Erblasser mehrere Wohnungen hatte.

Für die Praxis gilt aber: soll ein werthaltiger Gegenstand von einer Erbengemeinschaft gekauft werden, so sollte der Käufer auf einem einstimmigen Beschluss bestehen. Nur so kann er juristisch absolut sicher sein.

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Auflösung und Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft

Auflösung und Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft

Das explizite Ziel der Erbengemeinschaft ist deren Auflösung, man spricht auch von einer „geborenen Liquidationsgemeinschaft“. Allein schon weil die, soeben vorgestellten, Regeln zur Verwaltung der Erbengemeinschaft alles andere als praktikabel sind, haben alle Miterben das Ziel sich möglichst schnell voneinander zu lösen. Im Zentrum steht hierbei die gegenseitige Ausgleichung der Vermögensanteile am Nachlass.

Für die Auseinandersetzung gibt es drei Möglichkeiten:

  • Aufteilung der Erbmasse unter den Miterben (Erbauseinandersetzung im engeren Sinn), entweder entsprechend der Teilungsanordnung des Erblassers, nach den gesetzlichen Bestimmungen oder durch einen Erbauseinandersetzungsvertrag zwischen allen Erben. In diesem Zusammenhang sind auch Pflichtteilsansprüche und Vermächtnisse zu erfüllen. Im Rahmen der Auseinandersetzung müssen sich die Miterben auch mit Fragen rund um Ausgleichspflichten, beispielsweise für Pflegeleistungen einzelner Miterben am Erblasser, und Vorabempfängen, d.h. Zuwendungen des Erblassers zu Lebzeiten die auf das Erbe angerechnet werden, beschäftigen.
  • Verkauf des Erbteils: schlicht und einfach, wie der Name schon sagt, ein Erbe verkauft seinen Erbteil an einen anderen Miterben oder einen außenstehenden Dritten. Mit dem Verkauf scheidet er direkt und unmittelbar aus der Erbengemeinschaft aus. Für ihn ist diese damit „auseinandergesetzt“.
  • Die sog. Abschichtung und Anwachsung, d.h. das sukzessive „Auszahlen“ einzelner Erben: Hier verzichtet der betreffende Miterbe gegen Ausgleichszahlung auf seinen Erbteil.

In der Praxis ist die Auseinandersetzung allerdings nicht ganz so einfach umgesetzt, wie die vorausgehende Aufstellung vermuten lässt. Jeder einzelne Miterbe verfolgt eigene Interessen, die schnell kollidieren können. Nicht umsonst hat der ARD-Rechtsexperte Karl-Dieter Möller in obigem Interview formuliert: „Jede zweite Erbschaft bringt die Statik einer Familie ins Wanken“. Der eine Miterbe will tatsächlich einen ganz bestimmten Nachlassgegenstand, weil er ihn an den Erblasser erinnert. Ein anderer Miterbe will möglichst schnell „ans Geld“. Ein Dritter hat noch eine „Rechnung offen“ und zieht die Auseinandersetzung bewusst in die Länge. Möglichkeiten, die Auseinandersetzung zu erzwingen, sind in der Praxis kaum vorhanden. Die Erbauseinandersetzung wird sich zeitlich in die Länge ziehen.

Sonstige Hinweise

Wichtige gesetzliche Vorschriften zur Erbengemeinschaft

§ 2032 BGB – Erbengemeinschaft
(1) Hinterlässt der Erblasser mehrere Erben, so wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen der Erben.
(2) Bis zur Auseinandersetzung gelten die Vorschriften der §§ 2033 bis 2041.

§ 2037 BGB – Weiterveräußerung des Erbteils
Überträgt der Käufer den Anteil auf einen anderen, so finden die Vorschriften der §§ 2033, 2035, 2036 entsprechende Anwendung.

§ 1 ErbStG – Steuerpflichtige Vorgänge
(1) Der Erbschaftsteuer (Schenkungsteuer) unterliegen
1. der Erwerb von Todes wegen;
2. die Schenkungen unter Lebenden;
3. die Zweckzuwendungen;
4. das Vermögen einer Stiftung, sofern sie wesentlich im Interesse einer Familie oder bestimmter Familien errichtet ist, und eines Vereins, dessen Zweck wesentlich im Interesse einer Familie oder bestimmter Familien auf die Bindung von Vermögen gerichtet ist, in Zeitabständen von je 30 Jahren seit dem in § 9 Abs. 1 Nr. 4 bestimmten Zeitpunkt.
(2) Soweit nichts anderes bestimmt ist, gelten die Vorschriften dieses Gesetzes über die Erwerbe von Todes wegen auch für Schenkungen und Zweckzuwendungen, die Vorschriften über Schenkungen auch für Zweckzuwendungen unter Lebenden.

Aktuelle Entwicklungen zur Erbengemeinschaft im HEREDITAS Blog

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Optionen für Erbengemeinschaften in Deutschland

Die Möglichkeiten, die sich einer Erbengemeinschaft bieten, sind regional sehr unterschiedlich. Gerade wenn Immobilienvermögen Teil des Nachlasses ist, muss zwischen Zuzugsregionen und Ballungszentren sowie eher ländlicheren Regionen unterschieden werden. In letzteren ist der Verkauf der Immobilien häufig kein geeigneter Weg, hier ist meist ein gemeinsames Vorgehen aller Miterben erfolgskritisch. Ist die Nachfrage nach Immobilien und Grundstücken hingegen groß, so kann auch jeder einzelne Miterbe selbst viel aktiver werden und auch gegen den Willen der übrigen Mitglieder der Erbengemeinschaft seine Interessen durchsetzen, z.B. durch Verkauf seines Erbteils oder durch Einleitung der Teilungsversteigerung. Lernen Sie Optionen in Ihrer Region kennen!

Erbengemeinschaft München | Erbengemeinschaft Tegernsee


 
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