Nachlassverbindlichkeiten: die gesammelten Fakten zur Haftung in der Erbengemeinschaft

Mit dem Erbfall geht das Vermögen des Erblasser „als Ganzes“ auf die Erben über, § 1922 BGB, d.h. sowohl die Aktiva wie auch die Passiva. Der Jurist spricht von der Universalsukzession. Die Erben treten damit in die Stellung des Erblassers ein und haften auch für die Nachlassverbindlichkeiten, § 1967 BGB. Diese Haftung übernehmen sie als Gesamtschuldner, § 2058 BGB, d.h. ein Dritter kann von einem Miterben alles verlangen. Dieser Miterbe muss dann innerhalb der Erbengemeinschaft von den übrigen Miterben Ausgleich verlangen, §§ 421ff BGB.

Die Erben treten in die Rechtsstellung des Erblassers ein und übernehmen damit alle seine Schulden. Allerdings bietet das Erbrecht auch Möglichkeiten zur Beschränkung der Haftung.

Diese Haftung in der Erbengemeinschaft kann allerdings zu unbilligen Ergebnissen führen, insbesondere wenn der Nachlass stark belastet oder überschuldet ist. Die Haftung für Nachlassverbindlichkeiten tritt entsprechend nicht sofort, unmittelbar und unbeschränkt ein. Mit dem Erbfall entstehen zunächst zwei Vermögensmassen. Einmal besteht weiter das Eigenvermögen des Erben und zum anderen kommt der Nachlass hinzu, der als Sondervermögen geführt wird. Der Jurist spricht hierbei vom Grundsatz der beschränkbaren Nachlasshaftung. Dadurch kann der Erbe zunächst einmal seine Haftung auf den Nachlass beschränken und hat ausreichend Zeit den Inhalt des Nachlasses festzustellen, insbesondere kann er klären ob der Nachlass überschuldet ist.

Für eine Übergangsphase wird der Erbe mittels Einreden, einem vorübergehenden Leistungsverweigerungsrecht, geschützt. Im zweiten Schritt kann er eine dauerhafte Trennung der beiden Vermögensmassen und damit seine Haftungsbeschränkung auf den Nachlass durch die Nachlassverwaltung und die Nachlassinsolvenz erreichen. Weiter können die Erben im Rahmen eines Aufgebotsverfahrens die Gläubiger auffordern, ihre Ansprüche anzumelden. Nehmen diese ihre Anmeldung nicht rechtzeitig vor, so kommt es auch hier zur Beschränkung der Haftung auf das Nachlassvermögen.

Auf der anderen Seite haben auch die Gläubiger Möglichkeiten, sich ein Bild vom Umfang des Nachlasses zu verschaffen. Das hierzu gehörige Verfahren ist die Inventarerrichtung. Nimmt ein Erbe die Aufforderung des Nachlassgerichts zur Erstellung eines Inventars nicht wahr oder macht er falsche Angaben, so verliert er damit sein Recht auf Beschränkung der Erbenhaftung.

Allgemeine Fragen zur Haftung in der Erbengemeinschaft

Was sind Nachlassverbindlichkeiten?

Die Nachlassverbindlichkeiten unterteilen sich in nachfolgende drei Kategorien:

1.) Erblasserschulden

Hierbei handelt es sich um die zum Todeszeitpunkt bestehenden Schulden des Erblassers, § 1967 Abs. 2 BGB. Diese Verbindlichkeiten hat der Erblasser selbst zu Lebzeiten begründet oder zumindest den Rechtsgrund dafür gelegt hat. Sie können auf Vertrag oder Gesetz beruhen.

Beispiel: Der Erblasser hat in einer Mietwohnung gewohnt. Der monatliche Mietzins ist damit eine Erblasserschuld. Gleiches gilt für den Kauf einer Sache, die dieser vor seinem Tod nicht mehr bezahlt hat. Der Kaufpreisanspruch geht auf die Erben über. Beispiel für einen gesetzlichen Anspruch wäre ein Schadensersatzanspruch, z.B. weil der Erblasser das Eigentum eines anderen beschädigt hat und dieser dafür Ausgleich verlangt.

2.) Erbfallschulden

Weiter zu den Nachlassverbindlichkeiten gehören die Erbfallschulden, also die Verbindlichkeiten, die durch den Tod entstehen. Prominenteste Vertreter sind die Begräbniskosten, auch Bestattungskosten bezeichnet, der Zugewinnausgleich sowie bestehende Vermächtnisse und Auflagen aus dem Testament oder einer anderen erbrechtlichen Verfügung des Erblassers.

3.) Nachlasserbenschulden

Zum dritten gelten noch diejenigen Verbindlichkeiten als Nachlassverbindlichkeiten, die im Rahmen der gemeinschaftlichen Nachlassverwaltung von den Miterben begründet werden, die sog. Nachlasserbenschulden. Sofern die Erben nach außen erkennbar nur für den Nachlass gehandelt haben, z.B. die Erbengemeinschaft als Vertragspartner angeben, wird durch die Nachlassverwaltung allein der Nachlass verpflichtet. Die einzelnen Miterben trifft sodann keine Pflicht aus Eigenvermögen dafür aufzukommen.

Etwas anderes gilt aber, wenn diese Beschränkung auf die Erbengemeinschaft für den Vertragspartner nicht eindeutig ersichtlich ist. Für jenen Fall werden die handelnden Miterben mit eigenem Vermögen verpflichtet, u.U. auch die weiteren Miterben, die garnicht gehandelt haben.
Im Ergebnis gilt, dass für Miterben in der ungeteilten Erbengemeinschaft keine Vorschusspflicht besteht. Versäumen sie allerdings diese Klarstellung, dann haften sie trotz ungeteiltem Nachlass für Verbindlichkeiten.

Was heißt Haftung als Gesamtschuldner?

Nachlassverbindlichkeiten: Haftung in der Erbengemeinschaft

Haftung in der Erbengemeinschaft als Gesamtschuldner

Sind mehrere Personen zum Erben eingesetzt, so haftet die Erbengemeinschaft in ihrer Gesamtheit für die Nachlassverbindlichkeiten. Allerdings gilt nach § 2058 BGB, dass die Erben als Gesamtschuldner haften. Dies bedeutet, dass jeder Erbe zunächst einmal allein für die volle Höhe aller Verbindlichkeiten haftet und darauf auch von Dritten in Anspruch genommen werden kann. Den anteilsmäßigen Ausgleich innerhalb der Erbengemeinschaft muss der in Anspruch genommene Erbe im Anschluss selbst vornehmen, v.a. auch auf das Risiko hin, dass ein Miterbe nicht zahlungsfähig ist. Grund dafür ist, dass die Gläubiger durch den Tod des Erblassers nicht schlechter gestellt werden sollen. Vor dessen Tod hatten sie mit dem Erblasser nur einen einzigen Schuldner.

Beispiel: Der Erblasser hatte sich kurz vor seinem Tod ein Auto gekauft, aber noch nicht vollständig bezahlt. Offen sind noch 10.000 €. Beerbt wird er von vier Erben, je zu 25%. Der Autoverkäufer kann nun auf einen beliebigen der vier Erben zugehen und von diesem 10.000 € verlangen. Dieser muss die vollen 10.000 € bezahlen und kann nicht einwenden er zahle nur 2.500 €, weil er nur zu 25% an der Erbengemeinschaft beteiligt ist. Die übrigen 7.500 € muss er sich dann von jedem seiner übrigen Miterben einzeln zurückholen.

Wie hafte ich vor Annahme der Erbschaft

Solange ein Erbe die Erbschaft nicht angenommen hat, wird er als vorläufiger Erbe bezeichnet. Ein Anspruch kann gegen ihn nicht gerichtlich geltend gemacht werden. Die gerichtliche Geltendmachung ist nach § 1958 BGB ausgeschlossen. Der Anspruch gegen ihn besteht zwar, eine Klage scheitert aber an der Zulässigkeit.

Die Annahme erfolgt durch Erklärung des Erben. Dies kann entweder ausdrücklich erfolgen oder durch schlüssiges, sog. konkludentes, Handeln. Letztes liegt dann vor, wenn der vorläufige Erbe sich so verhält wie ein Erbe und er damit seine Erbenstellung zum Ausdruck bringt.

Beispiel: Der vorläufige Erbe verkauft einen Nachlassgegenstand.

Wie haftet die ungeteilte Erbengemeinschaft?

Solange die Erbengemeinschaft ungeteilt ist, also bei wirtschaftlicher Betrachtung nicht als aufgelöst erscheint, kann der in Anspruch genommene Miterbe nach § 2059 BGB die Haftung mit Eigenvermögen verweigern. Wohl aber erstreckt sich seine Haftung auf diejenigen Einzelgegenstände, die er trotz Fortbestand der ungeteilten Erbengemeinschaft bereits vorab erhalten hat. Diese können also nicht der Haftung entzogen werden.

Was bedeutet Teilung des Nachlasses?

Entscheidender Zeitpunkt für den Übergang der getrennten Vermögensmassen in ein einheitliches Vermögen ist der Zeitpunkt der Nachlassteilung. Der Nachlass ist dann als geteilt anzusehen, wenn ein so erheblicher Teil der Nachlassgegenstände in das Eigenvermögen der einzelnen Miterben übergegangen ist, dass die Gesamthandsgemeinschaft bei wirtschaftlicher Betrachtung als aufgelöst erscheint.

Die Verteilung einzelner Gegenstände führt noch nicht zur Nachlassteilung, aber allein das Zurückbleiben einiger weniger Sachen ist nicht ausreichend. Grund dafür ist, dass der Gläubiger nicht besser gestellt werden darf, als wenn der Erblasser nicht verstorben wäre. Hier hätte dieser auch über sein Eigentum verfügen können, der Gläubiger hätte sich vielmehr Sicherungsrechte einräumen lassen müssen, z.B. eine Eigentumsübertragung oder ein Pfandrecht.

Wurde der Nachlass geteilt, so ist anschließend eine Haftungsbeschränkung auf den Nachlass nicht mehr möglich.

Was gilt für die Haftung der Erbengemeinschaft nach Teilung?

Wurde die Erbengemeinschaft aufgeteilt, d.h. erscheint sie bei wirtschaftlicher Betrachtung als aufgelöst, so haften alle Miterben im Grundsatz auch mit ihrem Eigenvermögen für die Schulden des Erblassers. Auch diese Haftung übernehmen sie weiter gesamtschuldnerisch, d.h. ein Gläubiger kann auf einen der Miterben zugehen und von diesem die Befriedigung der gesamten Forderung verlangen. Es ist im Anschluss Aufgabe des in Anspruch genommenen Erben sich von den übrigen Miterben ausgleichen zu lassen.

Eine Beschränkung nur auf den eigenen Erbteil kann der Miterbe nur über die in § 2060 BGB genannten Maßnahmen erreichen, insbesondere Ausschluss der Gläubiger im Aufgebotsverfahren. Forderungen, die innerhalb von sechs Monaten dann nicht angemeldet wurden, sind auf den Erbteil beschränkt, das Eigenvermögen ist damit geschützt. Details hierzu lesen Sie nachfolgend auf dieser Seite.

Wie haftet der Käufer eines Erbteils?

Nach § 2382 BGB haftet der Erwerber eines Erbteils für alle nicht erfüllten Nachlassverbindlichkeiten. Diese Regelung ist nicht abdingbar, d.h. im Erbteilskaufvertrag kann sie nicht zu Lasten der Gläubiger abgeändert werden. Zusätzlich bleibt auch der Veräußerer weiter voll in der Haftung, er kann sich durch den Verkauf nicht aus dieser Verantwortung stehlen. Der Grund dafür ist sehr einfach: der Gläubiger des Erblassers darf durch den Tod und daran anschließende Rechtsgeschäfte in seiner Rechtsposition nicht geschwächt werden. Die Haftung nehmen Käufer und Verkäufer als Gesamtschuldner ein.

Die Haftung beginnt mit Abschluss des wirksamen Veräußerungsvertrages. Ob der Käufer Kenntnis von den Nachlassverbindlichkeiten hat oder nicht, ist nicht entscheidend. Sogar wenn der Verkäufer den Käufer getäuscht hat, haftet der Käufer nach außen! Wird der Kauf des Erbteils zu einem späteren Zeitpunkt rückabgewickelt, so entlässt auch dies den Käufer nicht aus der Haftung (Ausnahme Anfechtung, z.B. wegen arglistiger Täuschung). Gleiches gilt für die neuerliche Weiterveräußerung des Erbteils. Einzig wenn ein Miterbe sein gesetzliches Vorkaufsrechts ausübt, wird der Käufer aus der Haftung entlassen.

Mit Blick auf den Umfang der Haftung kann man ganz einfach feststellen: Der Käufer des Erbteils haftet für alle Nachlassverbindlichkeiten, für die auch der Verkäufer gehaftet hätte. Dies bedeutet insbesondere, dass eine mögliche beschränkte Haftung auf Seiten des Verkäufers auch für den Erwerber wirkt. Auf der anderen Seite aber führt eine unbeschränkte Haftung des Verkäufers auch zu einer unbeschränkten Haftung beim Erwerber. Hat ein Käufer mehrere Erbteile erworben, so bestimmt sich die Haftung für jeden erworbenen Erbteil getrennt.

Zu beachten ist, dass sich mit Abschluss des Kaufvertrages die Haftung verselbständigt, d.h. der Veräußerer kann z.B. das Recht zur Beschränkung der Haftung verlieren, der Käufer hingegen kann es weiter behalten. Auch kann der Erwerber des Erbteils die Rechte des Veräußerers zur Nachlasshaftungsbeschränkung eigenständig geltend machen, also z.B. das Aufgebot beantragen.

Praxistipp für Erbengemeinschaften: Regeln Sie im Kaufvertrag über den Erbteil eindeutig und explizit wer für welche Verbindlichkeiten aufkommen muss. So vermeiden Sie Unstimmigkeiten bei der Bewertung des Erbteils und anschließenden (Rechts-)Streit.

Sonderthema: Haftet der Veräußerer für Versäumnisse des Erwerbers bei der Nachlassverwaltung? Nach einer starken Literaturmeinung ja, der Veräußerer sei den Gläubigern gegenüber nicht zur Veräußerung des Erbteils berechtigt, daher hafte er verschuldensunabhängig. Das ist allerdings abzulehnen, das Gesetz regelt den Verkauf des Erbteils umfassend und der Erbe wird auch nicht vom Gläubiger bestimmt, d.h. er hat keine Schutzbedürftigkeit in Bezug auf eine bestimmte Person. Die Haftung ist also richtigerweise nur verschuldensabhängig.

Bislang habe ich nur die Situation des Käufers und Verkäufers des Erbteils gegenüber Dritten, also Gläubigern, dargestellt. Im Innenverhältnis zwischen Käufer und Verkäufer aber stellt sich die wichtige Frage, wer denn nun final auf den Kosten sitzenbleibt. Hierzu regelt § 2378 BGB, dass der Verkäufer gegenüber dem Erwerber den Anspruch hat, dass dieser die Nachlassverbindlichkeiten erfüllt. Insbesondere führen Sachmängel an Gegenständen, die zur Erbschaft gehören, nicht zu Ausgleichsansprüchen des Käufers gegenüber dem Verkäufer. Der Verkäufer haftet nur für den Bestand des Erbrechts, dass dieses nicht durch Nacherbschaft oder Testamentsvollstreckung beschränkt ist und dass keine unbekannten Vermächtnisse, Auflagen, Pflichtteilslasten, Ausgleichungspflichten und Teilungsanordnungen bestehen. Fazit also: wirtschaftlich wird der Erbteilskäufer mit den Haftungsaufwänden belastet. Allerdings können abweichende Regelungen vertraglich im Erbteilskaufvertrag vereinbart werden.

Nachlassverbindlichkeiten: Haftung in der Erbengemeinschaft

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Erbrechtliche Einreden während dem Bestand der Erbengemeinschaft

Was sind erbrechtliche Einreden?

Bevor wir uns die Möglichkeiten ansehen, die Erbenhaftung dauerhaft zu beschränken, gehe ich zuerst auf Einreden ein, die dem Erben vorübergehend zustehen. Denn die Erben brauchen in der Praxis eine gewisse Übergangszeit, in der Sie den Bestand des Nachlasses sichten können, ohne direkt in Anspruch genommen zu werden.

Diese erbrechtlichen Einreden haben keine sog. materiell-rechtliche Wirkung, d.h. sie gestalten nicht die Rechtslage um und haben damit auch keine Auswirkungen z.B. auf den Eintritt des Verzugs. Wohl aber haben die Einreden Auswirkungen auf die Durchsetzbarkeit der Ansprüche gegen die Erbengemeinschaft, d.h. der Anspruch besteht zwar, er kann aber nicht durchgesetzt werden, z.B. durch Klage. Für den Erben ist die Wirkung vereinfacht gesprochen die gleiche: er muss nicht zahlen.

Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Möglichkeit, um aus der Haftung für den Nachlass auszuscheiden: die Erbschaft ausschlagen. Der Verkauf des Erbteils hingegen befreit den Verkäufer nicht von seiner Haftung. Diese muss er nun zusammen mit dem Käufer des Erbteils tragen. Dies ergibt sich aus den gesetzlichen Regelungen zum Erbschaftskauf.

1.) Dreimonatseinrede

Über die Dreimonatseinrede kann jeder Miterbe innerhalb der ersten drei Monate nach Annahme der Erbschaft die Begleichung von Nachlassverbindlichkeiten verweigern, § 2014 BGB. Damit soll ihm ausreichend Zeit gegeben werden, sich mit der konkreten Situation des Nachlasses vertraut zu machen. Sollte der Erbe bereits vor Ablauf der drei Monate ein Inventar errichtet haben, so endet die Frist früher. Es besteht für diesen Fall keine Schutzbedürftigkeit mehr.

Die Einrede hat allein prozessuale Wirkung, d.h. die Verurteilung erfolgt unter dem Vorbehalt der beschränkten Erbenhaftung. Vereinfacht gesagt, kann das Urteil nicht durchgesetzt werden. In materiell-rechtlicher Sicht hat die Einrede keine Wirkung, d.h. der Anspruch besteht. Hat der Erbe daher in Unkenntnis des Verweigerungsrechts bezahlt, so kann er das Geld nicht zurück verlangen.

2.) Einrede des Aufgebotsverfahrens

Sofern ein Aufgebotsverfahren, also die Aufforderung an die Gläubiger zur Anmeldung der Forderungen, innerhalb eines Jahres nach Annahme der Erbschaft beantragt wurde, kann der Erbe für die Zeit bis zur Beendigung dieses Verfahrens die Berichtigung von Nachlassverbindlichkeiten verweigern, § 2015 BGB. Die Einrede steht dem Erben allerdings nicht zu, wenn er unbeschränkt haftet, § 2016.

Hinsichtlich der Wirkung gilt das gleiche wie bei der Dreimonatseinrede: die Wirkung ist nur prozessual, nicht materiell-rechtlich.

3.) Verschweigungseinrede

Macht ein Gläubiger lange Zeit seine Forderungen nicht geltend, konkret 5 Jahre nach dem Tod des Erblassers, und ist die Forderung dem Erben nicht bekannt, so kann der Gläubiger diese nur noch eingeschränkt durchsetzen. Er wird für jenen Fall wie ein Gläubiger behandelt, der im Aufgebotsverfahren ausgeschlossen wurde. Vereinfacht gesagt bekommt er seine Forderungen nur noch in der Höhe befriedigt, wie noch Mittel im Nachlass vorhanden sind. Auch nach Teilung des Nachlasses haftet dann der Erbe nicht mit seinem eigenen Vermögen. Diese Einrede bezieht sich sogar auf Vermächtnisse, Auflagen und Pflichtteile.

4.) Einrede des ungeteilten Nachlasses

Solange der Nachlass noch ungeteilt ist, beschränkt sich die Haftung des Erben ebenfalls nur auf den Nachlass, und zwar sogar nur beschränkt auf seinen Anteil am Nachlass, § 2059 BGB. Da allerdings die Auseinandersetzung das Ziel der Erbengemeinschaft ist, ist diese Einrede zur dauerhaften Sicherung des Erben nicht ausreichend. Daher sind oben genannte Verfahren erforderlich.

Praxistipp für Erbengemeinschaften: Klären Sie Sach- und Rechtsfragen stets bevor Sie beginnen Vermögensgegenstände der Erbengemeinschaft zu verteilen. Denn die Einrede des ungeteilten Nachlasses greift nur, weil die Nachlassgläubiger bei der ungeteilten Erbengemeinschaft ausreichend über die bestehende Vermögensmasse des Erblassers geschützt sind. Der Übergang vom ungeteilten zum geteilten Nachlass ist fließend. So vermeiden Sie, überraschend mit Privatvermögen in die Haftung gehen zu müssen.

5.) Unzulänglichkeitseinrede

Kommt eine Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenz nicht in Betracht, weil der Nachlass nicht einmal die dafür anfallenden Verfahrenskosten decken kann, so steht dem Erben die Unzulänglichkeitseinrede zu, §§ 1990 – 1992 BGB.

Möglichkeiten zur Beschränkung der Haftung

Was ist ein Nachlassinventar?

Nachlassverbindlichkeiten: Haftung in der Erbengemeinschaft

Nachlassinventar zur Beschränkung der Haftung in der Erbengemeinschaft

Mittels Nachlassinventar wird ermittelt, welche Aktiva und Passiva (Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten) im Nachlass enthalten sind. Der Antrag auf Erstellung eines Nachlassinventars kann beim Nachlassgericht gestellt werden, und zwar von jedem, der glaubhaft macht, dass er Gläubiger am Nachlass ist. In dem Antrag sind der oder die Miterben zu bestimmen, denen die Erstellung des Nachlassinventars auferlegt werden soll.

Das Nachlassgericht beauftragt dann einen oder mehrere Miterben mit der Erstellung des Inventars für den gesamten(!) Nachlass. Dieser kann seine Pflicht allerdings durch Erklärung auf das Nachlassgericht oder einen Notar übertragen, die dann das Inventar von Amts wegen erstellen. Um die inhaltliche Richtigkeit des Inventars mit Nachdruck zu versehen, muss auf Verlangen eines Nachlassgläubigers eidesstattlich versichert werden, dass das Inventar nach bestem Wissen und Gewissen aufgestellt wurde.

Folge der Aufstellung des Nachlassinventars: Das Nachlassinventar hat die (widerlegbare) Vermutung, dass (nur) die dort genannten Vermögensgegenstände im Nachlass enthalten sind. Mit der Aufstellung behält der Erbe die Möglichkeit trotz anschließender Teilung des Nachlasses, die Haftung auf den Nachlass beschränkt zu halten. Wird das Inventar nicht aufgestellt, tritt die unbeschränkte Haftung mit Eigenvermögen des Erben ein. Insbesondere kann er dann auch keinen Antrag auf Nachlassverwaltung mehr stellen.

Wie beantrage ich ein Aufgebotsverfahren?

Das Aufgebotverfahren gibt dem Erben die Möglichkeit festzustellen, welche Verbindlichkeiten gegen den Nachlass bestehen. Ist dies den Erben bekannt, können sie einschätzen, ob der Nachlass ausreichend ist um diese zu befriedigen. Insbesondere wenn selbiges knapp wird, können die Erben über die Verfahren der Nachlassverwaltung und Nachlassinsolvenz (s.u.) erreichen, dass ihre Haftung auf den Nachlass beschränkt bleibt und auch zukünftig keine Eigenhaftung mit ihrem Vermögen eintritt.

Das Aufgebotsverfahren setzt den Antrag eines Erben beim Amtsgericht (ausnahmsweise nicht beim Nachlassgericht) voraus. Die Nachlassgläubiger werden nun aufgefordert, ihre Forderungen anzumelden. Mit Ablauf der Verfahrensfrist ergeht das Ausschlussurteil, mit dem zwar die Forderungen der Gläubiger bestehen bleiben, die Erben aber auch nach Teilung nur noch mit dem Nachlass haften. Ihnen steht dann die sog. Ausschließungseinrede zu.

Ausgenommen von dieser Wirkung sind allerdings bestimmte Gläubiger, und zwar dinglich Berechtigte, Pflichtteilsberechtigte, Vermächtnisnehmer und Auflagenbegünstigte.

Wann wird eine Nachlassverwaltung angeordnet?

Die Nachlassverwaltung wird vom Nachlassgericht auf Antrag eines der Erben oder Nachlassgläubiger angeordnet. Für die Verwaltung des Nachlasses wird dann ein sog. Nachlassverwalter vom Gericht eingesetzt, dessen Aufgabe die Verwaltung des Nachlasses und die Berichtigung der Nachlassverbindlichkeiten ist. Hierzu kann er insbesondere auch über Nachlassgegenstände verfügen, sie also verkaufen. Die Nachlassverwaltung endet, wenn das Gericht sie aufhebt. Das passiert insbesondere dann, wenn alle Nachlassverbindlichkeiten berichtigt und die übrigen Nachlassgegenstände an die Erben herausgegeben wurden.

Wer kann Nachlassinsolvenz beantragen?

Das Nachlassinsolvenzverfahren wird auf Antrag vom Insolvenzgericht eröffnet. Anträge können insbesondere einer der Erben, Nachlassverwalter, Nachlasspfleger und Nachlassgläubiger stellen. Grund für den Antrag muss die Überschuldung des Nachlasses sein. Mit Beendigung beschränkt sich dann die Haftung des Erben (vereinfacht gesagt) nur noch auf weitere Restbestände des Nachlasses. Insbesondere aber kommt es zu keiner Haftung mit Eigenvermögen mehr.

Wichtige gesetzliche Vorschriften zur Haftung in der Erbengemeinschaft

Wichtige Gesetze

Nachlassverbindlichkeiten: Haftung in der Erbengemeinschaft

Gesetze im Erbrecht zur Erbengemeinschaft

§ 1922 BGB – Gesamtrechtsnachfolge
(1) Mit dem Tode einer Person (Erbfall) geht deren Vermögen (Erbschaft) als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen (Erben) über.
(2) Auf den Anteil eines Miterben (Erbteil) finden die sich auf die Erbschaft beziehenden Vorschriften Anwendung.

§ 1958 BGB – Gerichtliche Geltendmachung von Ansprüchen gegen den Erben
Vor der Annahme der Erbschaft kann ein Anspruch, der sich gegen den Nachlass richtet, nicht gegen den Erben gerichtlich geltend gemacht werden.

§ 1967 BGB – Erbenhaftung, Nachlassverbindlichkeiten
(1) Der Erbe haftet für die Nachlassverbindlichkeiten.
(2) Zu den Nachlassverbindlichkeiten gehören außer den vom Erblasser herrührenden Schulden die den Erben als solchen treffenden Verbindlichkeiten, insbesondere die Verbindlichkeiten aus Pflichtteilsrechten, Vermächtnissen und Auflagen.

§ 2014 BGB – Dreimonatseinrede
Der Erbe ist berechtigt, die Berichtigung einer Nachlassverbindlichkeit bis zum Ablauf der ersten drei Monate nach der Annahme der Erbschaft, jedoch nicht über die Errichtung des Inventars hinaus, zu verweigern.

§ 2015 BGB – Einrede des Aufgebotsverfahrens
(1) Hat der Erbe den Antrag auf Einleitung des Aufgebotsverfahrens der Nachlassgläubiger innerhalb eines Jahres nach der Annahme der Erbschaft gestellt und ist der Antrag zugelassen, so ist der Erbe berechtigt, die Berichtigung einer Nachlassverbindlichkeit bis zur Beendigung des Aufgebotsverfahrens zu verweigern.
(2) (weggefallen)
(3) Wird der Ausschließungsbeschluss erlassen oder der Antrag auf Erlass des Ausschließungsbeschlusses zurückgewiesen, so ist das Aufgebotsverfahren erst dann als beendet anzusehen, wenn der Beschluss rechtskräftig ist.

§ 2016 BGB – Ausschluss der Einreden bei unbeschränkter Erbenhaftung
(1) Die Vorschriften der §§ 2014, 2015 finden keine Anwendung, wenn der Erbe unbeschränkt haftet.
(2) Das Gleiche gilt, soweit ein Gläubiger nach § 1971 von dem Aufgebot der Nachlassgläubiger nicht betroffen wird, mit der Maßgabe, dass ein erst nach dem Eintritt des Erbfalls im Wege der Zwangsvollstreckung oder der Arrestvollziehung erlangtes Recht sowie eine erst nach diesem Zeitpunkt im Wege der einstweiligen Verfügung erlangte Vormerkung außer Betracht bleibt.

§ 2059 BGB – Haftung bis zur Teilung
(1) Bis zur Teilung des Nachlasses kann jeder Miterbe die Berichtigung der Nachlassverbindlichkeiten aus dem Vermögen, das er außer seinem Anteil an dem Nachlass hat, verweigern. Haftet er für eine Nachlassverbindlichkeit unbeschränkt, so steht ihm dieses Recht in Ansehung des seinem Erbteil entsprechenden Teils der Verbindlichkeit nicht zu.
(2) Das Recht der Nachlassgläubiger, die Befriedigung aus dem ungeteilten Nachlass von sämtlichen Miterben zu verlangen, bleibt unberührt.

§ 2378 BGB – Nachlassverbindlichkeiten
(1) Der Käufer ist dem Verkäufer gegenüber verpflichtet, die Nachlassverbindlichkeiten zu erfüllen, soweit nicht der Verkäufer nach § 2376 dafür haftet, dass sie nicht bestehen.
(2) Hat der Verkäufer vor dem Verkauf eine Nachlassverbindlichkeit erfüllt, so kann er von dem Käufer Ersatz verlangen.

§ 2382 BGB – Haftung des Käufers gegenüber Nachlassgläubigern
(1) Der Käufer haftet von dem Abschluss des Kaufs an den Nachlassgläubigern, unbeschadet der Fortdauer der Haftung des Verkäufers. Dies gilt auch von den Verbindlichkeiten, zu deren Erfüllung der Käufer dem Verkäufer gegenüber nach den §§ 2378, 2379 nicht verpflichtet ist.
(2) Die Haftung des Käufers den Gläubigern gegenüber kann nicht durch Vereinbarung zwischen dem Käufer und dem Verkäufer ausgeschlossen oder beschränkt werden.