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Erbschein: das Legitimationspapier für Erben und Miterben

  • Der Erbschein wird vom Nachlassgericht erteilt. Er ist ein amtliches Zeugnis über das Erbrecht des Erben.
  • Der Erbschein hat eine sehr wichtige Wirkung: wer vom Erbscheins-Erben etwas aus dem Nachlass erwirbt, wird Eigentümer. Auch wenn sich herausstellt, dass dieser garnicht Erbe war. Ausnahme: der Erwerber wusste von der Unrichtigkeit
  • Einen Erbschein benötigt man häufig. Grundbuchamt, Banken, Versicherungen… alle wollen die Legitimation sehen


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Was ist ein Erbschein und wie wird er beantragt?

Der Erbschein wird vom Nachlassgericht, dem Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Erblassers, erteilt. Er ist ein amtliches Zeugnis über das Erbrecht des Erben. Er enthält bestehende Beschränkungen durch Vor- und Nacherbschaft sowie eine Testamentsvollstreckung. Nicht hingegen gibt er Auskunft über Auflagen, Vermächtnisse und Pflichtteilsansprüche.

Das Nachlassgericht stellt den Erbschein nur auf Antrag eines Erben, Nachlassverwalters oder Testamentsvollstreckers aus. Ohne Antrag wird kein Erbschein ausgestellt. Den Antrag können Sie entweder formlos schriftlich beim Nachlassgericht stellen oder Sie gehen persönlich zum Gericht und erklären den Antrag mündlich. Auch können Sie den Antrag beim Notar erklären, das kostet allerdings etwas mehr.

Hierbei prüft das Gericht von Amts wegen, d.h. von sich aus und nicht nur wenn ein Beteiligter das vorbringt, die zu Grunde liegenden Tatsachen und steigt notfalls auch in die Ermittlung ein. Das Nachlassgericht nimmt Beweise auf und hört auch Zeugen. Erst wenn das Nachlassgericht die Erbfolge für erwiesen hält, fasst es einen Beschluss und erteilt den Erbschein. Dieser wird allen Erben übersendet.

Insbesondere prüft das Nachlassgericht ob ein Testament gültig ist, ob der Erblasser testierfähig war und legt den ggf. interpretationsbedürften Wortlaut aus. Zuletzt prüft es auch, ob Anfechtungserklärungen wirksam erhoben wurden.

Erbschein-Rechner: Diese Gebühren fallen für die Beantragung des Erbscheins an

Erbschein-Rechner


 
Der Wert des Nachlasses bestimmt sich als Summe aller Vermögenswerte abzüglich der Nachlassverbindlichkeiten des Erblassers zum Zeitpunkt des Todes.
 
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Die Gebühren für Ihren Erbschein richten sich nach dem Anteil am Nachlass. Dieser bestimmt sich nach der Erbquote. Je nach testamentarischer Bestimmung oder Rangfolge in der gesetzlichen Erbfolge ergibt sich diese automatisch. Wollen Sie als Erbengemeinschaft einen gemeinsamen Erbschein beantragen, so belassen Sie den Wert auf 100% und teilen anschließend die Kosten anteilig auf. Aufgrund der degressiven Gestaltung der Gebühren ist dies im Ergebnis günstiger für die Erbengemeinschaft.
 
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Die Berechnung ist teilweise vereinfacht, sie soll Ihnen als Orientierung dienen. Alle Angaben sind ohne Gewähr, bitte lassen Sie sich (anwaltlich) beraten. Die Datenschutzbestimmungen für meine Schnellrechner lesen Sie unter Datenschutz.

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So berechnen Sie die Kosten für die Beantragung des Erbscheins

Die Kosten für den Erbschein bestimmen sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG). Ausgangspunkt ist der Wert des Nachlasses, d.h. die Summe des Erblasservermögens abzüglich den Erblasserschulden. Dies sind alle Verbindlichkeiten des Erblassers zum Todeszeitpunkt. Nicht in Abzug gebracht werden die Kosten, die durch und nach dem Tod entstanden sind, also z.B. Kosten der Beerdigung usw.

In Bezug auf diesen Nachlasswert berechnet das Gericht zum einen die Gebühren für die Erteilung des Erbscheins, Nr. 12210 KV GNotKG. Zum anderen fallen noch die Gebühren für die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung an. Der Antragssteller muss an Eides statt versichern, dass die von ihm gemachten Angaben der Wahrheit entsprechen, Nr. 12210 Abs. 2 KV GNotKG. Diese beiden Posten zusammengerechnet ergeben die Kosten für die Beantragung des Erbscheins. Weiterhin können noch geringfügige Kosten für Auslagen hinzukommen, in der Regel weniger als 20 Euro.

Sind Sie nicht Alleinerbe, sondern Miterbe einer Erbengemeinschaft, so können Sie entweder nur für sich den Erbschein beantragen. Hierzu wird der Nachlasswert nur auf die Höhe Ihres Erbteils berechnet, die Gebühren sind entsprechend niedriger. Da aber die Gebühren degressiv anstiegen, ist es in Summe günstiger wenn nicht jeder Miterbe seinen eigenen Erbschein beantragt, sondern alle zusammen und dann die Kosten anteilig aufteilen.

Wird der Erbschein nicht direkt beim Nachlassgericht beantragt, sondern über einen Notar, so kommen zu den Gerichtsgebühren noch die Notarkosten hinzu. Der Antrag über den Notar ist insbesondere dann sinnvoll, wenn der Erbschein möglichst schnell erteilt werden soll. Der Notar ist meist terminlich flexibler und kann früher als das Nachlassgericht Termine anbieten.

Wann braucht man einen Erbschein

Einen Erbschein benötigt man immer dann, wenn man gegenüber einem Dritten eine Erbenstellung nachweisen muss, das aber nicht anderweitig zweifelsfrei kann. Als Nachweis kann eine letztwillige Verfügung (Testament, Erbvertrag) genügen. Also vor allem dann, wenn die gesetzliche Erbfolge eingetreten ist, wird ein Erbschein so gut wie immer benötigt.

Erwirbt jemand einen größeren Gegenstand aus dem Nachlassen, beispielsweise ein Grundstück, so wird er auf Vorlage des Erbscheins bestehen. Auch verlangt das Grundbuchamt zur Eintragung der Erbengemeinschaft den Erbschein. Auch Versicherungen und Banken wollen regelmäßig den Erbschein vorgelegt bekommen. Will man seinen Erbteil verkaufen, so ist die vorherige Beantragung des Erbscheins nachdrücklich anzuraten. Andernfalls wird ein Dritter kaum interessiert sein, den Erbteil zu erwerben.

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Wirkungen des Erbscheins

Der Erbschein genießt sog. öffentlichen Glauben. Wer mit Recht auf dessen Inhalt vertraut, wird geschützt, § 2366 BGB. Dies gilt es vor dem Hintergrund zu wissen, dass ein Erbschein jederzeit auch falsch sein kann. Ein späteres Testament kann auftauchen und die erbrechtliche Lage ändern. In diesem Fall muss der Erbschein eingezogen und ein neuer Erbschein erstellt werden.

Konkret bedeutet dieser Schutz, dass derjenige, der auf den Erbschein vertraut und kein besseres Wissen hat, gutgläubig Eigentum erwerben kann. Erwirbt er also Nachlassgegenstände und vertraut er dabei auf die Richtigkeit des Erbscheins, so wird er auch dann Eigentümer, wenn der Verkäufer nicht Erbe wurde. Gleiches gilt wenn ein gutgläubiger Dritter eine Leistung an die vermeintlichen Erben bewirkt: zahlt eine Bank Guthaben an die Erbscheins-Erben aus, so erlischt damit ihre Verpflichtung.

Wichtig aber: die genannten Wirkungen treten nur ein, wenn der Dritte nicht bösgläubig ist. Selbst wenn ein Erbschein besteht, der Dritte aber weiß dass dieser unrichtig ist, so treten genannte Folgen nicht sein.

Was passiert wenn der Erbschein falsch ist

Stellt sich heraus, dass der bestehende Erbschein unrichtig ist, so ist er vom Nachlassgericht einzuziehen. Der Erbschein wird insbesondere dann unrichtig, wenn ein späteres Testament gefunden wird. Denn dies ändert die Erbfolge. Für diesen Fall erklärt das Nachlassgericht den Erbschein für kraftlos und erteilt einen neuen Erbschein an die nun ermittelten Erben.

Wichtig zu wissen: wurden Nachlassgegenstände gutgläubig bereits an Dritte übertragen, so bleiben diese Übertragungen trotzdem wirksam.

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