Ratgeber-Artikel Aktualisiert 15.10.2025 4 Min Lesezeit

Gesamthandsgemeinschaft: Rechtsform Erbengemeinschaft

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  • Die Gesamthandsgemeinschaft ist eine gesetzlich geregelte Erbengemeinschaft. Sie entsteht, wenn ein Erblasser mehrere Miterben hinterlässt, die gemeinsam in die Rechte und Pflichten des Nachlasses eintreten. Alle Miterben sind somit gemeinschaftliche Eigentümer des Nachlasses und auch Schuldner der bestehenden Verbindlichkeiten.
  • Verfügungen über Nachlassgegenstände erfordern Einstimmigkeit. Das bedeutet, dass Miterben Nachlassgegenstände wie Immobilien nur gemeinsam und einstimmig verkaufen können. Diese Regelung schützt die Interessen aller Miterben und verhindert, dass Einzelne ohne Zustimmung der anderen handeln.
  • Die Verwaltung des Nachlasses erfolgt nach dem Mehrheitsprinzip. Verwaltungsmaßnahmen, die zur Erhaltung oder Mehrung des Nachlasses dienen, können durch die Mehrheit der Miterben beschlossen werden. Dies ermöglicht eine flexiblere Handhabung, während notwendige Erhaltungsmaßnahmen auch von einem einzelnen Miterben durchgeführt werden können.
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7 Wege aus der Erbengemeinschaft: Welche passen zu Ihnen? Sofort starten
In diesem Artikel
Abschnitt 1 von 9

Gesamthandsgemeinschaft: die ungeteilte Erbengemeinschaft

Besteht nicht ein Alleinerbe, sondern hinterlässt ein Erblasser mehrere Miterben, so bilden diese qua Gesetz eine Gesamthandsgemeinschaft - eben die Erbengemeinschaft. Alle Personen, die vom Erblasser als Erben eingesetzt wurden oder die in Folge der gesetzlichen Erbfolge dazu berufen sind, werden gemeinschaftlich dessen Rechtsnachfolger. Sie treten vollumfänglich in dessen Rechte und Pflichten ein, d. h. sie werden gemeinschaftlich Eigentümer aller Nachlassgegenstände, aber auch Schuldner der bestehenden Verbindlichkeiten.

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Mehr zum Wegweiser: HEREDITAS » Wegweiser — 7 Wege zum Verlassen der Erbengemeinschaft

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Erbengemeinschaft Gesamthandsgemeinschaft: Die gesamthänderische Bindung

Zentrales Kennzeichen einer Gesamthandsgemeinschaft ist die damit einhergehende gesamthänderische Bindung. Die einzelnen Vermögensgegenstände und Rechte liegen als gemeinsames Vermögen in der gemeinsamen Hand aller Miterben. Die Miterben können nur gemeinsam über diese verfügen, also z. B. Nachlassgegenstände verkaufen oder ein zum Nachlass gehörendes Grundstück mit einer Hypothek belasten. Diese gesamthänderische Bindung führt auch dazu, dass das gebundene Vermögen gegenüber dem Privatvermögen der Miterben rechtlich verselbständigt ist.

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Verwaltung des Nachlasses in der Gesamthandsgemeinschaft

Neben Verfügungen über den Nachlass kommt auf die Gemeinschaft auch die Verwaltung des gemeinsamen Nachlasses zu. Auch diese nehmen die Erben zusammen wahr, § 2038 (1) 1 BGB. Das bedeutet insbesondere, dass jeder Miterbe verpflichtet ist, an Maßnahmen mitzuwirken, die zur ordnungsgemäßen Verwaltung erforderlich sind.

Der Begriff der Verwaltung wird vom Gesetzgeber weit gefasst. Hierunter fallen nicht nur Maßnahmen zur Erhaltung der Erbmasse. Die Verwaltung umfasst auch die Mehrung derselbigen. Im Gegensatz zur Verfügung allerdings müssen Maßnahmen zur Verwaltung nicht einstimmig erfolgen. Hier reicht das Mehrheitsprinzip, wobei die Stimmanteile sich nach der Höhe des Anteils an der Gemeinschaft bestimmen. Ausgenommen hiervon sind notwendige Erhaltungsmaßnahmen. Hier kann ein einzelner Erbe auch alleine handeln.

Zusammengefasst: Verfügungen, also z. B. den Verkauf eines Nachlassgegenstandes, können alle Miterben nur einstimmig vornehmen. Verwaltungsmaßnahmen werden nach dem Mehrheitsprinzip vorgenommen, notwendige Erhaltungsmaßnahmen kann ein Erbe sogar alleine vornehmen.

Hier gibt es alle Details zur Nachlassverwaltung Erbengemeinschaft!

Erfahren Sie, welche unterschiedlichen Arten der Nachlassverwaltung es in einer Erbengemeinschaft gibt und wie Sie ordnungsgemäße, außerordentliche und notwendige Verwaltungsmaßnahmen erfolgreich umsetzen können. Entdecken Sie die rechtlichen Grundlagen und erfahren Sie, wie das Mehrheitsprinzip Konflikte löst und wann einzelne Erben auch ohne Zustimmung handeln dürfen, um den Nachlass optimal zu sichern.

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Verfügungen über Erbschaftsgegenstände der Gesamthandsgemeinschaft

Lange Zeit galt folgende Ansicht: Wesentliches Merkmal der Gesamthandsgemeinschaft ist, dass die Mitglieder, die sog. Gesamthänder, nicht über die einzelnen Inhalte verfügen können, also beispielsweise ein in der Erbengemeinschaft befindliches Grundstück nicht einfach verkaufen können. Vielmehr können hier alle nur gemeinsam, in diesem Fall sogar nur einstimmig, agieren. Denn rechtlich gesehen ist die Gemeinschaft Eigentümer des Grundstücks. Auch kann der einzelne Gesamthänder nicht über seinen Anteil an diesem Grundstück verfügen. Davon abzugrenzen ist allerdings eine Verfügung über den Anteil an der Gesamthandsgemeinschaft, also den Erbteil. Diesen hingegen kann der Erbe tatsächlich verkaufen.

Neuere Rechtsprechung der vergangenen Jahre: Seit einigen Jahren aber hat sich die Rechtsprechung entscheidend geändert. Insbesondere hat der BGH entschieden, dass Nachlassgegenstände mit Mehrheitsbeschluss verkauft und auch das Eigentum daran an Dritte wirksam übertragen werden kann. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es sich zum einen um Maßnahmen der Nachlassverwaltung der Erbengemeinschaft handelt (und nicht um eine Vorbereitung der Auseinandersetzung) und sich mit der Eigentumsübertragung die Erbengemeinschaft nicht erheblich verändert. In den meisten Erbengemeinschaften heißt das, dass kleinere Eigentumsübertragungen und v.a. Vertragskündigungen meist möglich sind. Die Übertragung einer Immobilie ist aber nur dann möglich, wenn der Nachlass viele Immobilien enthält.

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Verfügung über den Anteil an der Gesamthandsgemeinschaft: Verkauf des Erbteils

Wie gerade beschrieben, kann der Miterbe seine Berechtigung an einzelnen Nachlassgegenständen, wie z. B. einem Auto, nicht weiterverkaufen. Wohl aber kann er die Gesamtheit seiner Erbenstellung, seinen Erbanteil, weiterveräußern. Dazu benötigt er einen Erbteilskäufer - entweder einen anderen Miterben oder einen Dritten - der ihm im Wege des Erbteilskaufs seinen Erbteil abkauft. Hierbei ist der veräußernde Miterbe völlig frei und braucht keine Zustimmung der übrigen Miterben. Der Erbteilskäufer tritt mit Abschluss in die rechtliche Stellung des verkaufenden Miterben ein.

Neben dem Verkauf des Erbanteils gibt es mit der Erbabwicklung* noch eine weitere, relativ neue Option zur Erbauseinandersetzung. Hierbei beauftragen sie einen Dritten mit der kompletten Durchführung der Auseinandersetzung von der Verhandlung mit den Miterben, über die Lösungsfindung bis hin zur finalen Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft – notfalls auch unter Einschaltung von Gerichten und Durchführung der Teilungsversteigerung. Es gibt Anbieter, die diese Leistung rein erfolgsabhängig erbringen. Es fallen für sie nur dann Kosten an, wenn die Erbabwicklung erfolgreich war, die Erbengemeinschaft also aufgelöst ist.

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Beendigung der Gesamthandsgemeinschaft: die Auseinandersetzung

Die Gesamthandsgemeinschaft endet mit ihrer Auflösung im Wege der Auseinandersetzung. Diese kann von jedem Miterben grundsätzlich jederzeit verlangt werden, sofern nicht ein Ausschluss oder Aufschub in Betracht kommt. Details hierzu finden Sie auf meiner Seite Auseinandersetzung Erbengemeinschaft.

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Gesamthandsgemeinschaft: Was bedeutet das für mich als Miterbe einer Erbengemeinschaft

Die Folgen sind ziemlich einfach beschrieben: Mit den Gegenständen, die im Nachlass enthalten sind, können Sie als Miterbe erstmal nichts anfangen. Sie können Sie weder nutzen noch veräußern. Wohl aber müssen sie an der Erhaltung und Verwaltung mitwirken.

Da die Erbengemeinschaft auf Auseinandersetzung gerichtet ist, können und sollten Sie darauf hinwirken, dass eine Vereinbarung zur Aufteilung der Nachlassgegenstände getroffen wird, die sog. Auseinandersetzungsvereinbarung. Im Rahmen dessen kann z. B. auch eine Teilungsversteigerung vonnöten sein. Mit Abschluss der Auseinandersetzung endet die Erbengemeinschaft und die Nachlassgegenstände gehen dann ins Alleineigentum der jeweiligen Erben über.

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Steuerliche Bewertung der Gesamthandsgemeinschaft

Das Gesamthandseigentum wird den Beteiligten zur steuerlichen Berücksichtigung nach Bruchteilen zugerechnet, sofern die Steuer den einzelnen Gesamthänder erfasst (§ 39 II AO). Die Bruchteile, die den einzelnen Beteiligten zuzurechnen sind, bestimmen sich nach den Beteiligungsquoten am gemeinschaftlichen Vermögen oder nach den jeweiligen Beteiligungsquoten an der Teilungsmasse.

Hier gibt es alle Details zur Erbschaftsteuer Erbengemeinschaft!

Erfahren Sie, welche Pflichten und steuerlichen Regelungen für Miterben einer Erbengemeinschaft gelten, wie das Finanzamt über den Erbfall informiert wird und welche Haftungsrisiken bei der Erbschaftsteuer bestehen.

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Was ist dann eine Bruchteilsgemeinschaft?

Bei der Bruchteilsgemeinschaft steht EIN Recht mehreren gemeinschaftlich zu. Hierfür gelten die gesetzlichen Regelungen der §§ 741 ff BGB. Über den gemeinschaftlichen Gegenstand können die Teilhaber nur gemeinsam verfügen, wohl aber kann jeder alleine über seinen Anteil am Gegenstand oder Recht verfügen.

Beispiel: A und B halten je 50% an einem Grundstück. Das Grundstück kann A nicht verkaufen, wohl aber kann er seinen 50%-Anteil am Grundstück an C übertragen.

Hier wird der Unterschied zwischen der Bruchteilsgemeinschaft und der Gesamthandsgemeinschaft deutlich: Bei letzterer wird der Anteil an der Gesamtheit von Rechten und Pflichten, z. B. der Nachlass, übertragen. Bei ersterer hingegen der Anteil an einem einzelnen Recht.

  Gesamthandsgemeinschaft Bruchteilsgemeinschaft
Eigentum Allen Mitgliedern gemeinsam und ungeteilt Jeder hat einen Bruchteil am Gegenstand
Verfügung Nur gemeinschaftlich (einstimmig oder nach Mehrheitsprinzip, je nach Fall) Jeder kann über seinen Bruchteil frei verfügen
Übertragung Nur der Anteil an der Gesamthand (z. B. am Nachlass) kann übertragen werden Man kann den Anteil am konkreten Gegenstand verkaufen
FAQ · Häufige Fragen

Was Leser zu diesem Thema fragen

Was passiert, wenn ein Miterbe seine Erbanteile verkaufen möchte?
Ein Miterbe kann seinen Erbanteil ohne Zustimmung der anderen Miterben verkaufen. Der Käufer tritt dann in die rechtliche Stellung des verkaufenden Miterben ein. Es ist jedoch wichtig, einen Käufer zu finden, der bereit ist, den Erbteil zu erwerben, da dies nicht immer einfach ist.
Welche Maßnahmen zur Verwaltung des Nachlasses sind notwendig?
Die Verwaltung des Nachlasses umfasst sowohl Erhaltungsmaßnahmen als auch Maßnahmen zur Mehrung des Vermögens. Diese müssen nicht einstimmig beschlossen werden, sondern können mit einfacher Mehrheit getroffen werden. Notwendige Erhaltungsmaßnahmen können jedoch von einem einzelnen Miterben alleine durchgeführt werden.
Wie kann ich eine Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft einleiten?
Jeder Miterbe kann jederzeit die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft verlangen. Dies bedeutet, dass eine Vereinbarung zur Aufteilung der Nachlassgegenstände getroffen werden sollte. Bei Bedarf kann auch eine Teilungsversteigerung in Betracht gezogen werden, um die Erbengemeinschaft aufzulösen.
Gibt es Unterschiede zwischen Gesamthandsgemeinschaft und Bruchteilsgemeinschaft?
Ja, es gibt wesentliche Unterschiede. In einer Gesamthandsgemeinschaft können die Miterben nur gemeinsam über den Nachlass verfügen, während in einer Bruchteilsgemeinschaft jeder über seinen Anteil frei verfügen kann. Bei der Gesamthandsgemeinschaft erfolgt die Übertragung nur des Anteils an der Gesamtheit, nicht an einzelnen Rechten.
Wie wird der Nachlass steuerlich bewertet?
Das Gesamthandseigentum wird den Miterben nach Bruchteilen zugerechnet. Diese Bruchteile richten sich nach den jeweiligen Beteiligungsquoten am gemeinschaftlichen Vermögen. Es ist wichtig, die steuerlichen Regelungen zu kennen, um mögliche Haftungsrisiken zu vermeiden.
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Kommentare

Aus der Praxis von Lesern

Kommentare

Wagner
22. Juli 2025 um 12:36 Uhr

Im Artikel fehlt leider das Thema Erbeserben eines Letztverstorbenen, der für den gleichen Nachlassgegenstand (Immobilie) mit not. Testament die Testamentsvollstreckung angeordnet hat. Wenn ein Erbe je 1/8 aus gesetzlicher Erbfolge und ein weiteres 1/8 aus Erbschaft (z.B. Ehegatten) mit angeordneter Testamentsvollstreckung besitzt, dürfte ein Erbteilsverkauf möglich sein. Aber kann er auch die Teilungsversteigerung übergreifend beantragen? Die Entlassung eines TVs über die Vorerbschaft erscheint mir bedenklich, da das die Anordnungen des Letztverstorbenen wirkungslos machen. Was wiegt höher?
Ein seltener Fall, aber doch herausfordernd.


 

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Quellen & weiterführende Literatur

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Recherchiert & veröffentlicht von
Foto Dr. jur. Stephan Seitz, Jurist

Dr. jur. Stephan Seitz

Jurist · Gründer Hereditas » Ratgeber Erbengemeinschaft

Seit Jahren beschäftige ich mich mit den juristischen, steuerlichen und menschlichen Aspekten des Erbrechts — von Nachlassplanung und Pflichtteil über die Erbengemeinschaft bis zur Teilungsversteigerung. Ziel: komplexe Rechtslagen so verständlich aufbereiten, dass Sie als Erbe oder Erblasser eigenständig eine Entscheidung treffen können.

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